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Bin ich schön?
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Ein Gesicht für die Roboterkollegen Bin ich schön?

Roboter sind längst unter uns. Doch wie müssen sie beschaffen sein, damit wir Vertrauen in sie fassen? Dem Menschen ähnlich? Oder doch eher nüchtern und funktional?

Wie müssen Roboter aussehen, um mit Menschen interagieren zu können? Und wieviel Menschlichkeit ist eher gruselig als sympathisch?

Quelle: Kyodo

Berlin. Pepper ist 1,20 Meter groß, hat ein knuffiges Gesicht mit großen runden Kulleraugen und entzückt auf Anhieb. Er ist höflich und zuvorkommend, gestikuliert beim Sprechen und ist immer auch für einen Witz zu haben. Die Erfindung des japanischen Unternehmens Softbank Robotics gilt als humanoider, also menschenähnlicher Roboter. 17 Gelenke befähigen die fröhliche Maschine aus weißem Kunststoff dazu, die Arme zu heben, mit dem Finger auf etwas zu zeigen, ja, sogar Tai-Chi-Übungen zu präsentieren – freilich ohne Beinarbeit, denn anstatt zu gehen, rollt Pepper durch die Welt.

“Egal ob Erwachsener oder Kind – es dauert nur ein paar Minuten, dann will jeder den Roboter umarmen“, sagt Jörg Heynkes, Unternehmer aus Wuppertal, der Pepper für den deutschen Markt programmiert und vertreibt. “Es ist schon skurril, wie Menschen zu dieser Maschine Gefühle entwickeln, obwohl wir wissen, dass es nur eine Maschine ist.“

Pepper, obgleich nicht allzu “menschlich“, hat mit seiner Kulleräugigkeit enorme Sympathien für Roboter ausgelöst.

Quelle: Maxppp

Mit jährlichen Zuwachszahlen von rund 20 Prozent befindet sich die Roboterbranche weltweit im Aufwind. Viele Roboter verrichten einfache Aufgaben, reinigen Böden, mähen den Rasen oder dienen als Spielzeuge für Groß und Klein. Daneben gibt es kollaborative Roboter, die Menschen bei ihrer Arbeit unterstützen, etwa am Tresen, in Lagern oder im OP-Saal aushelfen. In Japan gibt es inzwischen sogar schon die ersten Roboterhotels – dort kann man wahlweise bei einem synthetischen T. Rex – oder einer anmutigen, aber auch nicht wirklich menschlichen Hostesse (Titelbild) einchecken.

Einer länderübergreifenden Studie der TU Darmstadt zufolge können sich die meisten Befragten gut vorstellen, mit Robotern zusammenzuarbeiten. Dienstleistungsroboter als Rezeptionisten an Empfangs- und Informationsschaltern, als Kassierer in Supermärkten oder Autovermietungen, am Schalter von Bahnhöfen, Flughäfen, Banken oder in der Gastronomie wären demnach durchaus akzeptiert.

Willkommene Hilfe bei unliebsamen Aufgaben

Mehr als 60 Prozent der Befragten aus Deutschland und den USA würden sich zudem bei unliebsamen Arbeiten wie Ablage und Dokumentation, Terminbuchungen oder Boten- oder Recherchedienste von Robotern unterstützen lassen. Doch je mehr Roboter mit Menschen zu tun haben, desto wichtiger ist es, dass sie nicht klobig wie ein Getränkeautomat daherkommen, sondern auf irgendeine Art menschlich wirken.

“Grundsätzlich folgen humanoide Roboter dem Körperplan, also dem Bauplan eines Menschen“, erklärt Manfred Hild, Leiter des Forschungslabors Neurorobotik an der Berliner Beuth Hochschule für Technik. Ältere Modelle seien in ihren Bewegungsabläufen noch ziemlich tapsig, modernere Versionen wie der von Boston Dynamics entwickelte Alpha Dog, der für Soldaten Gepäck tragen soll, laufe dagegen sehr stabil. Da diese Roboter über Pressluft betrieben würden, seien sie jedoch sehr laut. Und auch ihr bulliges Aussehen bei einer Größe von 1,85 Metern dürfte auf die wenigsten Menschen vertrauenerweckend wirken.

Der geländegängige Alpha Dog des US-Herstellers Boston Dynamics sieht archaisch aus, klingt dank Motoren und Pressluft furchterregend und soll als Lastesel für Soldaten dienen.

Quelle: dpa

Andere Entwickler arbeiten an Robotern, die Menschen möglichst bis ins kleinste Detail gleichen. Beispiele hierfür sind die Kreationen des japanischen Ingenieurs Hiroshi Ishiguro. Seine Roboter sehen ihrem menschlichen Vorbild täuschend ähnlich: Ihre Haut besteht aus Silikon, Poren sind nachmodelliert, für ihre Frisuren wird Menschenhaar verwendet. Sie können sprechen, beherrschen mehr als 60 menschliche Gesichtsausdrücke und werden bereits in Altenheimen oder als Rezeptionisten eingesetzt. Ishiguro, der von Haus aus Künstler ist, hat sich sogar einen täuschend ähnlichen Roboterzwilling geschaffen, der anmutet, als hätte man einer der meisterlichen Wachsfiguren von Madame Tussauds Leben eingehaucht.

Zuviel Menschenähnlichkeit kann gruselig wirken

Manfred Hild glaubt allerdings nicht daran, dass Roboter dem Menschen zum Verwechseln ähnlich sehen müssen, um ein geeigneter Interaktionspartner für uns zu sein. “Unter Umständen kann das sogar gruselig wirken“, meint Hild. Zusammen mit seinem Team hat er stattdessen Myon entwickelt, einen 1,25 Meter großen humanoiden Roboter, der sich auf seinen zwei Beinen bewegen kann wie ein Mensch, dafür nur mit vier statt fünf Fingern an jeder Hand ausgestattet ist und in dessen Kopf ein Zyklopenauge prangt.

“Myons Aussehen ist abstrakt wie bei einer Zeichentrickfigur“, so Hild. Trotzdem ist er überzeugt: “Er wirkt menschlich genug.“ Wichtig sei vor allem, ob der Roboter ein Eigenleben habe, ein System, das ihn interessant mache. “Roboter sind typischerweise eher kantig, Menschen machen geschmeidigere Bewegungen, vertun sich auch mal, gehen einen Schritt zurück.“

Abstrakt wie eine Zeichentrickfigur: Der Forschungsroboter Myon und einer seiner Entwickler, Manfred Hild, von der Berliner Beuth Hochschule für Technik.

Quelle: dpa

Wurde Myon vor allem zu Forschungszwecken entwickelt, um mehr über den freien Willen, menschliche Verhaltensweisen und Gefühle zu erfahren, ist Pepper als freundlicher Serviceroboter konzipiert. Da er mit dem Menschen agieren soll, wurden auch ihm Gefühle antrainiert. Aufgrund zahlreicher Sensoren, Kameras und Mikrofone erkennt er Emotionen wie Freude, Wut, Trauer und Überraschung und kann darauf reagieren. Er dreht den Kopf, wenn man seinen Namen ruft, und seine großen Kulleraugen leuchten grün, wenn er jemanden an dessen Mimik und Gestik erkennt.

“Kleine Knutschkugel“, nennt ihn Unternehmer Jörg Heynkes. Nun sei die Frage, wie man aus jedem einzelnen Roboter ein Individuum machen könne. Denn auch das bedeutet neben dem unschuldigen Aussehen einer Maschine offenbar Menschlichkeit: dass der Roboter eigene Facetten mit sich bringt, eine Art Charakter zeigt und damit nicht beliebig austauschbar ist. „Dem einen haben wir einen Schnurrbart angeklebt, dem anderen einen Schal umgebunden oder eine Mütze aufgesetzt“, so Heynkes. Alles andere werde sich über die Zeit ergeben.

Von Alena Hecker

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