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Premiere für neue Methode der Krebsbehandlung in Dresden
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Uniklinik Premiere für neue Methode der Krebsbehandlung in Dresden

Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wurde erstmals ein Krebspatient mit einer neu entwickelten und innovativen Methode behandelt. Mit radioaktivem Holmium-166 beladene Kügelchen von rund 20 bis 30 Mikrometern Größe wurden an einem Darmkrebspatienten angewendet.

Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann erläutert gemeinsam mit der Nuklearmedizinerin Dr. Sabine Grosche-Schlee ihrem Patienten Andreas Reinhardt, wie und wo die radioaktiv beladenen Kügelchen in seiner Leber eingeschleust wurden.

Quelle: Uniklinikum

Dresden. Am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden wurde erstmals ein Krebspatient mit einer neu entwickelten und innovativen Methode behandelt. Mit radioaktivem Holmium-166 beladene Kügelchen von rund 20 bis 30 Mikrometern Größe wurden an einem Darmkrebspatienten angewendet. Dessen Leber wies bereits Tumore auf, die mit der SIRT – der selektiven internen Radio-Therapie – behandelt wurden. Das vom Radiologen Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann und dem Nuklearmediziner Prof. Jörg Kotzerke geleitete Team führte das so genannte Radioembolisationsverfahren im vergangenen März durch.

Die Erprobung des Holmium-166 am Universitätsklinikum im niederländischen Utrecht wurde erst kürzlich beendet und das Isotop für die klinische Arbeit freigegeben. Experten können hiermit Krebstumore einer stärkeren Strahlendosis aussetzen und gleichzeitig erkennen, wo und wie die Kügelchen (Mikrosphären) das erkrankte Gewebe bestrahlen. Durch ihre Größe können diese das gesunde Gewebe durchdringen, verstopfen jedoch die Blutgefäße der Tumore, wodurch diese schlechter durchblutet werden. Gleichzeitig geben die Sphären Strahlung ab und beschädigen das kranke Gewebe, so dass es abstirbt.

Radioembolisation selbst wird seit Jahren erfolgreich in der Krebstherapie verwendet. Davon profitieren bisher Patienten mit lebereigenen Tumoren oder Lebermetastasen, zum Beispiel als Folge von Darmkrebs. Durch den minimal-invasiven Zugang wird das Risiko einer Operation gesenkt. Auch wird die Heilung nach der Therapie verlängert.

„Ich schätze die einzigartigen Eigenschaften der Holmium-Sphären“, freut sich Prof. Ralf-Thorsten Hoffmann, Leiter der Interventionellen Radiologie am Uniklinikum, über die innovative Therapie. „Die damit möglichen Untersuchungen eröffnen uns neue Wege, auf den einzelnen Patienten individuell zugeschnittene Behandlungen anwenden zu können. In naher Zukunft werden davon mehr Krebskranke profitieren.“

Die SIRT wurde bisher mit dem Beta-Strahler Yttrium-90 behandelt. Das Holmium-166 ist gegenüber diesem auch attraktiver, weil es eine kürzere physikalische Halbwertszeit hat. „Dies führt zu einer hohen initialen Dosisleistung“, sagt Prof. Jörg Kotzerke, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Uniklinikum. „Aus diesem Grund erwarten wir auch eine verbesserte radiobiologische Wirkung.“

Prof. Dr. Marnix Lam, Chef der Klinik für Nuklearmedizin in Utrecht, war eigens für die Behandlung des Patienten nach Dresden gekommen. „Ich freue mich darüber, dass diese in unserer Einrichtung entwickelte Behandlung jetzt für Patienten in ganz Europa verfügbar sein wird“, sagte er. Ob ein Patient für ein solches Verfahren infrage kommt, wird abhängig vom Einzelfall in einer Expertenrunde entschieden.

Von Gerrit Menk

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