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Streit um Vergabe der Landesgelder für Schulsozialarbeit in Dresden
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Bildung Streit um Vergabe der Landesgelder für Schulsozialarbeit in Dresden

Die Notwendigkeit von Schulsozialarbeit an möglichst vielen Einrichtungen stellt kaum noch jemand in Zweifel. Mit zusätzlichen Geldern greift der Freistaat jetzt den Kommunen unter die Arme. In Dresden ist ein Streit über die Verteilung entbrannt.


Quelle: dpa

Dresden. In Dresden ist eine Streit über die Verteilung von Geldern für die Schulsozialarbeit entbrannt. Offenbar bevor darüber entschieden ist, war Schulen schon Unterstützung in Aussicht gestellt worden. Das sorgt jetzt für Ärger.

Ausgangspunkt ist ein Förderprogramm des Freistaat für die Schulsozialarbeit. Er hat dafür im Doppelhaushalt 2017/18 insgesamt 30 Millionen Euro bereitgestellt. Nach den Worten von Sozialministerin Barbara Klepsch soll die Schulsozialarbeit in Sachsen damit qualitativ und quantitativ ausgebaut werden. Die professionelle Betreuung durch Fachleute stärke junge Menschen, entlaste Lehrerinnen und Lehre und trage zum Gelingen des Schulalltags bei. Dresden kann aus der Landesförderung 1,2 Millionen Euro verteilen, über das Verfahren ist jetzt jedoch ein Streit der Stadt vor allem mit Vertretern der Freien Träger im Jugendhilfeausschuss entbrannt.

Stadt will mit Landesgeld je eine Stelle an 24 Schulen schaffen

Die Stadt will ab Herbst das Geld auf 24 Schulen verteilen und an jedem Standort zunächst eine Stelle für Schulsozialarbeit ansiedeln, hieß es auf DNN-Anfrage. Das Jugendamt hat nach Angaben der Stadt die Schulen nach 14 Kriterien in eine Rangliste eingeordnet, für die Abstufung der Priorität sorgten dabei Punkte für die räumlichen und strukturellen Bedingungen, die Einbindung von Schulsozialarbeit in die Schulkonzepte, aber auch für die Häufigkeit von Schulverweigerern, Mobbing oder Suchtphänomenen, die jeweils zum gesamtstädtischen Durchschnitt ins Verhältnis gesetzt wurden.

Bei den freien Trägern stößt das auf Kritik. „Uns erscheint das nicht bedarfsgerecht“, erklärte Carsten Schöne vom Wohlfahrtsverband „Der Paritätische“. Die Verteilung von je einer Stelle auf 24 Schulen nehme keine Rücksicht auf die Größe der Schule, auf den jeweiligen Stadtraum oder spezielle Problemlagen in den Stadtteilen. Schöne und drei weitere freie Träger aus dem Jugendhilfeausschuss stellen einen Antrag zur Abstimmung, wonach je nach Bedarf mit bis zu zwei Vollzeitstellen Angebote ausgebaut oder neu geschaffen werden sollen.

Freie Träger verärgert über Stadtverwaltung

Schöne spricht sich zudem dafür aus, dass die jugendhilflich-planerische Entscheidung vom Jugendhilfeausschuss getroffen wird. Außerdem sollten alle Schulstandorte für freie Träger ausgeschrieben werden, die Projekte der Träger müssten auf die konkreten Schulen zugeschnitten sein. Automatismen für Träger, die schon in dem Bereich tätig sind, lehnt Schöne ab. Die Stadt wolle dagegen für die Vergabe an die freien Träger, bei denen die entsprechenden Fachleute beschäftigt sind, verschiedene Schulen zu Paketen zusammenschnüren. Leider habe die Verwaltung schon Schulen eine bevorstehende Ausstattung mit Schulsozialarbeit in Aussicht gestellt. „Das ist ärgerlich, es ist unmöglich, dass die Verwaltung schon solche Informationen herausgibt, bevor darüber entschieden ist.“ Er widersprach auch der Darstellung der Verwaltung, der Antrag im Jugendhilfeausschuss führe dazu, dass nur vier oder fünf neue Schulstandorte Schulsozialarbeit erhalten würden. „Das ist völlig aus der Luft gegriffen“, sagte er.

Kommenden Donnerstag gibt es eine Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses, in der über das Prozedere entschieden werden soll. Ende April könnten dann die Schulen beschlossen werden. Über ein Interessenbekundungsverfahren für Freie Träger sollte dann laut Schöne die Vergabe der Fördermittel an einzelne Projekte eingeleitet werden. Bis 13. April geht es nach Ansicht der Stadt darum, „die beiden fachlich durchaus nachvollziehbaren Ansätze anzugleichen“, hieß es aus dem Bereich von Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU).

Von Ingolf Pleil

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